Anwerbungsversuch von V-Mann in der Magdeburger Fanszene

allgemein

Hallo Hansafans,

wie die Fanhilfe Magdeburg in der Woche vor dem Gastspiel ihres Vereins in Rostock öffentlich machte, gab es seitens der Polizei den Versuch einen V-Mann in der Magdeburger Fanszene anzuwerben. Wir verurteilen diese polizeiliche Praxis in Rostock, in Magdeburg und an jedem Fußballstandort aufs Schärfste. Wie das nur leider so ist mit dem Verurteilen von Dingen, ist damit kaum jemandem geholfen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Polizei weiterhin alle repressiven Mittel nutzen wird, um Fußballfans auszuspionieren und sie anschließend zu kriminalisieren.

Obwohl die beiden uns bekannten Fälle von Anquatschversuchen am Fußballstandort Rostock schon einige Zeit zurückliegen, möchten wir Euch diesbezüglich noch mehr sensibilisieren. Wenn Hansafans dafür bezahlt werden andere Anhänger der Kogge auszuspionieren, wird eine Grenze deutlich überschritten und die Konsequenzen für jeden von uns können fatal sein. So wird durch die Praxis von V-Männern versucht, einen Keil in unsere große und vielfältige Fangemeinde zu treiben.

Die V-Mann-Praxis kennen viele von uns aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität. So gab es in Deutschland bereits in den 1970er Jahren im Zuge des Vorgehens gegen Linksterrorismus prominente Fälle von sehr aktiven V-Männern. Böse Zungen behaupten sogar, dass der sogenannte Deutsche Herbst 1977 ohne die aktive Unterstützung von V-Männern des Verfassungsschutzes in der Form nicht möglich gewesen wäre. Ähnliche Skandale kamen im Rahmen der Ermittlungen gegen den sogenannten Nazionalsozialistischen Untergrund (NSU) seit 2011 Stück für Stück ans Licht der Öffentlichkeit. Mindestens genauso alt wie der Deutsche Herbst ist auch der Streit darüber, ob die Praxis Geld-gegen-Informationen der allgemeinen Sicherheit zuträglich ist. In den beschriebenen Fällen handelte es sich jedoch um V-Leute, die von Geheimdiensten bezahlt und angeworben wurden. Hier besteht ein wichtiger Unterschied zu den Anwerbungsversuchen in Fußball-Fanszenen. Die Anwerbungsversuche von denen wir erfahren haben, wurden von der Rostocker Polizei unternommen, nicht von einer geheimdienstlichen Behörde. Üblicherweise wird dabei Fans, die in Konflikt mit der Polizei geraten sind, Strafmilderung angeboten, wenn sie sich bereiterklären der Polizei Informationen über Strukturen und Aktionen unserer Fanszene zu liefern.

Worin besteht eigentlich das Problem, wenn V-Leute angeworben werden? Der Standardeinwand vermeintlich friedlicher Fans in solchen Fällen lautet: „Wer keine Scheiße baut, hat auch keinen Stress mit den Bullen.“ Jeder Hansaanhänger, der schon ein paar Jahre zum Fußball fährt, weiß, dass es so einfach leider nicht ist. Wenn wir über die V-Mann-Praxis reden, ist es sogar noch ein wenig komplizierter – Stichwort: Strukturermittlungen. Fast jeder kennt jemanden, der jemanden kennt und wir können nie wissen, für welche Personen die Polizei sich aus welchen Gründen besonders interessiert. Selbst wenn der mögliche V-Mann nur bruchstückartige Informationen liefert, kann so ein kurzer Schnack unter Fans dazu führen, dass die Polizei Schlussfolgerungen über die Personenstruktur von Gruppen zieht, die eben jene vermeintlich friedlichen Fans in den Fokus polizeilicher Ermittlungen rücken. Aus diesem Grund ist jeder aktive V-Mann eine Gefahr für uns als Hansafans, wodurch jeder von uns auch in seinem Privatleben eingeschränkt werden könnte.

Falls Ihr einmal in eine Situation kommt, in der Polizisten mit oder ohne Uniform Euch mit der geschilderten Absicht ansprechen, denkt bitte nicht, dass ihr cleverer seid als die Beamten! Die machen das beruflich und wissen was sie tun. Tricks sind in solchen Fällen nicht selten nach hinten los gegangen. Wir raten Euch das Gespräch freundlich aber bestimmt abzubrechen und Euch bei uns zu melden. Auch wenn ihr Euch nicht sicher seid, ob da gerade versucht wurde Euch als V-Mann zu gewinnen, solltet Ihr an uns herantreten. Wir können dann gemeinsam beraten, wie wir weiter vorgehen.

Eure Blau-Weiß-Rote-Hilfe