Stellungnahme zu den Vorkommnissen in Kiel

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Hallo Hansafans,

durch die Vorfälle beim Spiel am Samstag in Kiel und vor allem durch den daran anschließenden  Bericht des NDR sehen wir uns gezwungen, eine kurze Erklärung abzugeben.

Bereits am Vormittag erreichten uns erste Meldungen, dass sich Hansafans, die sich für die Anreise mit dem Zug entschieden hatten, von Polizeikräften am Bahnhof dazu aufgefordert worden waren, sich einer vollständigen Personenkontrolle zu unterziehen. Hierbei kam es nicht nur zu einer einfachen Personalienkontrolle, sondern auch zu einer so bezeichneten Videographierung der jeweiligen Einzelpersonen. Laut unserem Kenntnisstand waren hiervon alle als Hansafans ersichtlichen Personen betroffen. Sprich, Spieltags-Reisende standen vor der Wahl, die rechtswidrige Prozedur über sich ergehen zu lassen oder die Reise per Bahn nicht antreten zu können. Im NDR-Bericht zum Spieltag wird hierzu lapidar erwähnt: „Schon vor der Abfahrt in Rostock, hatten sich Hansaanhänger heute früh mit der Polizei angelegt.“

In Kiel selbst gestaltete sich die Einlasssituation zuerst entspannt, trotz der ohnehin fragwürdigen Entscheidung, bei der zu erwarteten Gästeanzahl lediglich einen Eingang zu öffnen. Dieser wurde dann ohne ersichtlichen Grund bzw. Verbreitung von Informationen geschlossen. Nach ca. einer viertel Stunde wuchs die Unsicherheit unter den bis dahin geduldig wartenden Fans an und in der Folge kam es zu kurzen Tumulten. Löblicherweise entschied sich der Ordnungsdienst dafür die Tore zu öffnen, um die Situation zu entschärfen. Allerdings war für die eingesetzten Beamten der erwartete Anlass gegeben, um nun ihrerseits im Einlassprozess mitzuwirken. Es folgten die üblichen verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Beteiligten, wobei neben den eingesetzten Schlagstöcken und Pfefferspray auch ein bereitgestellter Wasserwerfer seine Verwendung fand.

Vor Ort haben unsere Vertreter in mehreren Einzelgesprächen mit Fanbeauftragten, Fanprojektmitarbeitern und vor allem leitenden Ordnungskräften, in Erfahrung bringen können, dass die Entscheidung, die Einlasstore zu schließen, definitiv von Polizeikräften angewiesen wurde. Als Begründung wurde hierbei die Suche nach einem Verdächtigten benannt. Dieser soll während der Anreise mit dem Shuttlebus eine Glasscheibe am selbigen zerstört haben.

Der Ordnungsdienstleiter, bestätigte mehrfach, dass die Situation bis zur Schließung der Tore, völlig ruhig und friedlich verlief. Ebenfalls wurde der Unmut der Ordnungskräfte über den offensichtlich bewusst in Kauf genommenen Verlauf, deutlich artikuliert. Zu hoffen bleibt auch hier, dass die beteiligten Ordnungsdienstmitarbeiter wie angekündigt, in anstehenden Nachbesprechungen zu diesem Einsatz, deutlich aufzeigen, wer hier in der Verantwortung stand. Die erfahreneren Fans wurden einmal mehr bestätigt, hier altbekannte Muster von Einlasssituationen zu erkennen: Die Polizei ordnet einen Einlassstop an, der Zeitraum bis Spielbeginn schwindet, Ordner und Fans arbeiten sich erst aneinander ab, dann der Auftritt der „Retter in Uniform“ – Einsatz von Gewalt. Anschließend wird die herbeigeführte Situation als Rechtfertigung herangezogen, weshalb Wasserwerfer und Hundertschaften vor einem Gästeeingang bereitgestellt wurden. Alles nichts Neues, dennoch immer wieder aufs Neue zu verurteilen. Gerade in diesem Fall, wenn sich dann Berichterstatter öffentlich rechtlicher Sendeanstalten, hier der NDR, zu solch tendenziösen Berichten hinreißen lassen. Einem Polizeisprecher eine Plattform zu bieten, unkommentiert nicht nur eigene Interpretationen zu verbreiten, sondern in diesem Fall ganz klar den Einsatz einer Lüge gewährend, bezeichnen wir als äußerst fragwürdig. Es gibt keinen Anhaltspunkt, wann, wo und wie eine Auseinandersetzung unter Hansafans stattgefunden haben soll. Auch kann der vor Ort ermittelte Grund, der Suche nach einem einzelnen Verdächtigen, keine Grundlage dafür sein, solch Situationen zu schaffen, von denen dann letztlich diese Anzahl von Fans betroffen war.

Festzuhalten bleibt nach unserer Einschätzung aber auch, dass sich die Situation verhältnismäßig schnell wieder beruhigte und es nur vereinzelt von Polizeibeamten zu überzogenen Übergriffen auf Fans kam. Der Großteil der eingesetzten Beamten verhielt sich trotz der aufgeheizten Situation relativ besonnen. Wobei wir natürlich auch hier die Zahl der Betroffenen durch den Einsatz von Pfefferspray hervorheben und diese Vorgehensweise in Kiel im Speziellen sowie generell kritisieren.

Die Blau-Weiß-Rote Hilfe kritisiert daher nicht in erster Linie die Durchführung, sondern vor allem die Hinführung und die nachfolgende Darstellung in den Medien.

Weiterhin verweisen wir erfreut auf die Stellungnahme unseres Vereins und wünschen uns für die Zukunft, dass diese Art der Aufarbeitung und Gegendarstellung beibehalten wird. Einmal mehr hat gerade die verzerrende Berichterstattung des NDR aufgezeigt, wie wichtig eine eigene Darstellung von Ereignissen rund um die Spieltage ist.

Mit hanseatischem Gruße,
Eure Blau-Weiß-Rote Hilfe Rostock