Kommentar Presseartikel „Einer der drei gefährlichsten Klubs: Hansa“ aus Norddeutsche Neueste Nachrichten vom 14.11.2016

allgemein

Hallo Hansafans,

am 14.11.2016 veröffentlichten die Norddeutschen Neuesten Nachrichten einen Artikel mit der Überschrift „Einer der drei gefährlichsten Klubs: Hansa“. Hierin wurde thematisiert, dass Hansa wegen seiner Fans als einer der vermeintlich schwierigsten Fußballvereine durch Polizei in Bund und Ländern eingeschätzt werden würde.

In der Saison 2015/2016 wären dem Artikel zufolge ca. 15.000 Hansafans der Kogge hinterher gereist. 6.000 Polizeibeamte seien basierend auf Informationen des Innenministeriums in diesem Zeitraum in 40.000 Arbeitsstunden eingesetzt worden, von der Landespolizei wären zusätzlich 52.000 Arbeitsstunden hinzugekommen.

3800 Platzverweise, Sicherstellungen oder Identitätsfeststellungen seien notwendig gewesen. 123 Straftaten wie Körperverletzung, Raub, Landfriedensbruch, Vandalismus oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte seien begangen worden.

Eine Interpretation, kritische Auseinandersetzung oder zumindest eine weitergehende Erklärung – also Dinge, die Journalismus vom Tätigkeitsprofil eines besseren Schülerpraktikanten in der Kopierabteilung unterscheiden – erfolgte im genannten Artikel indes nicht. Anstatt ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht und ihrem öffentlichen Auftrag nachzukommen, bevorzugte es die NNN offenkundig, mit der altbewährten Assoziation Hansa-Fußball-Gewalt, auf billigste Weise zu versuchen, die Auflage zu steigern und ohne jedwedes Hinterfragen die Polizeimitteillung zu übernehmen. All dies zusätzlich auf dem Rücken des offiziellen Partners, dem F.C. Hansa Rostock. Inwieweit der Zeitpunkt der Veröffentlichung durch die Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt selbst oder der Artikel zeitlich zufällig mit dem Auswärtsspiel der Kogge in Magdeburg sowie der am gestrigen Sonntag stattgefundenen Mitgliederversammlung des F.C. Hansa zusammenhängen oder nicht, bleibt Spekulation.

Klar ist hingegen, dass die angegebenen Zahlen ohne Interpretation, kritische Auseinandersetzung oder Vergleichsmaterial absolut nicht aussagekräftig sind. Zwingend notwendig, wenn ein Interesse daran bestünde, den Leser tatsächlich zu einem Thema zu informieren und nicht nur auflagefördernd auf einen sprichwörtlichen Zug aufzuspringen und Vorurteile zu bedienen, wären in diesem Zusammenhang z.B. Angaben dazu, wie sich die Zahlen bei nicht so „gefährlichen“ Fußballvereinen gestalten.

Überdies machen beispielsweise die angegebenen 123 Straftaten bei ca. 15.000 Hansafans anders ausgedrückt 0,82% aus. Eine Angabe in Prozent, was zum einen wesentlich weniger Effekthascherei begünstigt und zum anderen viel eher noch eine realistische Einschätzung ermöglicht, wurde ebensowenig bereitgestellt. Allzu „schlimm“ klingt die Zahl in Prozent natürlich nicht und ist von daher nicht geeignet für die vermutlich angestrebte Zielsetzung des Artikels. Ganz zu schweigen von den Fragen, um was für Straftaten es sich aufgeschlüsselt genau handelte und vor allem, ob es sich bei der Zahl 123 um eingeleitete Strafverfahren oder rechtskräftige Verurteilungen handelte.

Auch die angegebenen Zahlen zu den Einsatzstunden der Polizeikräfte des Bundes und des Landes sind in der dargelegten Form absolut ohne Aussagewert. Wirklich interessant wäre in diesem Zusammenhang z.B., wie viele Beamte und Arbeitsstunden durchschnittlich bei der Größenordnung der Veranstaltung oder Fußballspielen mit Beteiligung anderer Vereine vonnöten oder normal sind. Überdies bleibt die Rechtmäßig- und vor allem die Verhältnismäßigkeit von hunderten eingesetzten Polizeibeamten, Hubschraubern etc. bei einem Drittligaspiel beispielsweise gegen eine Zweitvertretung eines Bundesligavereins nach wie vor und allein aus Sicht des vielzitierten und so oft bemühten Steuerzahlers äußerst kritisch zu bewerten.

Abschließend bleibt die vom Präsidenten der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt im Artikel geäußerte Assoziierung des Abbrennens von Pyrotechnik zu Beginn der zweiten Halbzeit des Auswärtsspiels in Magdeburg mit Gewalt zu kritisieren. Nach wie vor handelt es sich hierbei  schlichtweg um verschiedene Dinge, die nicht zwingend miteinander verbunden sind. Zu dieser Erkenntnis sind viele Journalisten und Medien in der Vergangenheit bereits gekommen, in die Räume der Praktikantenbüros der NNN ist dies aber scheinbar noch immer nicht vorgedrungen. Ein tendenziöser Artikel lässt sich mit einer differenzierten Betrachtung und Journalismus im Sinne des Wortes aber zugegebenermaßen auch nicht so gut schreiben.

Hanseatische Grüße
Blau-Weiß-Rote Hilfe Rostock